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Die Spur des Meisters

Frankfurter Rundschau, 09.06.2010

Die Sonne sinkt über dem Industriegebiet von Hausen. Nicht als rostiger Feuerball, sondern eher im sanften Verglühen. Tiefrot ruht der Wein in den Gläsern der Zuhörer, die vor der "Filiale" hocken, unter den Bäumen den wehmütigen Klängen lauschen, die drei Männer in schwarzen Anzügen, mit schwarzen Sonnenbrillen und schwarzen Hüten ihren beiden Gitarren, ihrem Bass, ihren Kehlen entlocken.

"Ich seh den Zahltag kommen. Ich werde abkassiert, Ich zähl die Tage, zähl die Stunden, bis man mich exmatrikuliert". Rauchig verhangene Stimmen, der kleinste der Drei lässt die Blues harp jammern. Ein wohliges Gefühl von dejà-vu beschleicht die Zuhörer, einer in der ersten Reihe trägt demonstrativ ein schwarzes T-Shirt mit dem Namenszug "Bob Dylan".

Es ist der 69. Geburtstag des Meisters, aber er ist Hausen ferngeblieben. Dafür sind drei Stellvertreter da: Die "Double Dylans". Seit zehn Jahren pflegen die Frankfurter sein Erbe - mit neuen, mit Interpretationen auf Deutsch. Hinter "Exmatrikuliert" verbirgt sich ein Klassiker: "I shall be released".

Die erste Gitarre mit zwölf Jahren
Später, als der Schweiß der ersten Session getrocknet ist, erinnern sich Robert Noetzel und Matthias Schmidt an ihre Anfänge. Als die beiden nach durchsoffener Nacht an einem Küchentisch im Bahnhofsviertel Ende 1999 beschlossen: "Wir gründen eine Rock´n´-Roll-Band." Der heute 44-jährige Noetzel hielt seine erste Gitarre mit zwölf in Händen: "Mein Vater hatte Jazz gespielt in Ami-Clubs." Dann erschien Bob Dylans Live-Album "Before the flood": "Das war der Auslöser."

Bei Schmidt hat der Vater, ein Gitarrist, ihm das Instrument aufgedrängt, als er sechs Jahre alt gewesen ist: "Zuhause in Idstein gab es den Folk Club und wir haben viel Blues gehört." Bei Schmidts Eltern stand die "Greatest Hits I" von Dylan im Plattenschrank: "Aber ich hatte erst Angst vor lauter Rockmusik."

Bei Ulrich Klapdor, dem Bassisten, begann alles "klassisch" mit "acht Jahre Unterricht an der Violine, mein Vater war Opernsänger in Düsseldorf". Als Klapdor 1976 nach Frankfurt kam, hatte er die "Greatest Hits II" des Meisters im Gepäck - und sich für den Kontrabass entschieden: "Ich hab drei-, viermal die Instrumente gewechselt, aber beim Bass hält mich der Rhythmus." Der 53-Jährige fährt Taxi als Brotberuf.

Im Abendlicht vor der Hausener Kneipe - die Franz Zlunka führt, der frühere Wirt des Alten Literaturhauses - wiegen sich die "Dylans" im Takt. "Ich schau raus in den saphir-blauen Morgen, rausgeputzt, den letzten Zug verpasst, steh unter dem Galgen, unter dem Hals den Strick, jede Minute werde ich in die Hölle geschickt."

"Jetzt ist´s egal" haben sie ihre Interpretation von "Things have changed" genannt. "Ich versuche, jeden Song zu meinem eigenen zu machen, zu testen, was hält der aus", sagt "Matze" Schmidt, seit 1993 Tontechniker bei den Städtischen Bühnen. Vier CDs haben sie aufgenommen, zahllose Konzerte gegeben bis Berlin ("Volksbühne"), Hamburg ("Schilleroper"), Ibiza und Marrakesch. Aber der schönste Auftritt, das war doch "im Günthersburgpark, als es dunkel wurde", erinnert sich "Matze".

Sie arbeiten an ihrer neuen CD, haben sich mit Texten gerade für den Robert-Gernhardt-Preis beworben. Und ab 7. September spielen sie zu den Johnny-Cash-Abenden im Schauspiel Frankfurt. Das sind dann nicht die "Double Dylans", sondern die drei Vollblut-Musiker Klapdor, Noetzel, Schmidt. Das ist dann ein neues Kapitel.

In Hausen packen die "Dylans" die Instrumente zusammen, lechzen nach einem Bier. "Ich frage mich, wo das endet, ich weiß es nicht genau, ich bin immer noch auf Straße, lass den Dingen ihren Lauf."

Von Claus-Jürgen Göpfert

 

Bob Dylan im Rettichuniversum

Die Coverband „DoubleDylans“ aus Frankfurt besteht seit 10 Jahren
Zu ihren Bewunderern zählen Kölsch-Rocker Wolfgang Niedecken, der Satiriker Wiglaf Droste oder der Frankfurter Kleinkunst-Impresario Michael Herl: Seit mehr als zehn Jahren gibt die Frankfurter Band "The Devilish DoubleDylans" den Ton an in der Riege der deutschen Bob Dylan-Coverbands. Ein Buch zum Jubiläum erzählt nun ihre Geschichte.

Frankfurt am Main (pia) Bob Dylan - amerikanische Folk-Rock-Legende und Songwriter-Ikone -, sei ein "Universum für sich", heißt es oft. Seit mehr als zehn Jahren betätigen sich drei Frankfurter Musiker höchst erfolgreich als Sternengucker, Planetenentdecker und Weltendeuter mit diesem Universum. "The Devilish DoubleDylans" sind mittlerweile die originellsten deutschsprachigen Interpreten Dylans. Denn sie bewegen sich fernab der eingetrampelten Pfade ehrfurchtsvoller Lagerfeuerversionen oder glattpolierten Mainstream-Rocks.

"Brüder in Dylan"
"Die Wiege der 'DoubleDylans' war der Club 'Blues und Beyond' in Bornheim, Geburtshelfer unser Küchentisch im Gallusviertel", erinnert sich Sänger und Gitarrist Robert Noetzel. 1999 trafen sich bei einer Session auf der Bühne des Frankfurter Bluesclubs die Wege von Noetzel und Matthias Schmidt. Noetzel spielte Dylan-Songs und wurde plötzlich unerwartet von Schmidt als zweiter Stimme unterstützt. Man mochte sich, und eines Abends am Küchentisch entstand das Projekt "The Devilish DoubleDylans". Als "Brüder im Geiste", war für beide Musiker Dylan so etwas wie eine "Blaupause für unser Leben und unser Verständnis vom Songwriting", wie Noetzel erklärt. Dritter im Bunde wurde rasch Uli Klapdor, ein echter Veteran der Frankfurter Musikszene. Mit seinem Kontrabass-, Mandolinen- und Geigenspiel gab er den beiden Sängern und Gitarristen notwendigen Halt und Begleitung. Ihre erste Konzertreise führte sie 1999 nach Hamburg. Das Programm hieß "Dylan auf Zuruf", gespielt wurde in kleinen, "exklusiven" Locations. 2000 nahm eine besondere Tradition der DoubleDylans ihren Anfang. Da spielten sie das erste Mal leibhaftig ganz in der Nähe des Meisters: Als inoffizielles Vorprogramm verkürzten sie den Bob Dylan-Fans vor der Frankfurter Jahrhunderthalle die Wartezeit. Bei Dylans Auftritten 2002, 2003 und 2007 sollte sich dann dieses Schauspiel jeweils wiederholen.

Platten- und Bühnenkünstler
2000 erschien auch ihre erste Platte. "Monsters of Folk" hatte mit ihrer Version von "Shot of Love" sogar einen kleinen Radiohit und brachte Aufmerksamkeit auch über die Dylan-Anhängerschaft hinaus. Neben vielen Auftritten in Clubs und Kneipen, auf Märkten und Festen führte dann der Weg 2001 erstmals nach Berlin. Der Satiriker, Polemiker und Sänger Wiglaf Droste hatte die Musiker zufällig bei einem Auftritt in Bad Nauheim gesehen und engagierte sie für den großen Bob Dylan-Abend der Volksbühne Berlin. Dort spielten sie neben Größen wie dem Schauspieler Hanns Zischler und dem Liedermacher Danny Dziuk. Ebenso bemerkenswert war dann 2006 der Auftritt im Rahmen des 1. deutschen Bob Dylan-Symposiums in Frankfurt. Mittlerweile haben die DoubleDylans die Anzahl der Auftritte etwas reduziert, denn alle drei leben nicht von der Musik, sondern haben bürgerliche Berufe: Matthias Schmidt ist als Tontechniker im Schauspiel Frankfurt beschäftigt, Robert Noetzel arbeitet in einem pädagogischen Projekt in Offenbach und Uli Klapdor ist Taxifahrer sowie als Musiker noch in weiteren Projekten engagiert.

Grotesker Humor und höherer Blödsinn
Künstlerisch nehmen sich die DoubleDylans immer wieder ein Beispiel am großen Vorbild, indem sie sich stets verändern und versuchen, "neue Türen aufzustoßen". Mit dem Album "It's hard to trust the Lord" erweiterten sie das Instrumentarium, bei "Ich und ein Anderer" übersetzten sie dann Dylan erstmals ins Deutsche. Gerade letzteres hätte eigentlich so weiter gehen können. Doch weit gefehlt. Stattdessen erstellten die DoubleDylans 2007 mit "Rettichretter" ein Konzeptalbum, das gut ein Dutzend Dylansongs ins "Rettichuniversum" überführt. Songs wie "Maggies Farm" oder "In the Garden" werden bevölkert von Rettichrettern, Erntehelfern, feinem Spargel, Erbsenzählern und Bohnendeppen. Mit solchem groteskem Humor und höherem Blödsinn hat sich noch keiner an Dylans Werk getraut. Und das Ergebnis ist weit davon entfernt, einfach nur "schön doof" zu sein. Denn Atmosphäre, Grundthemen und Personen der Dylan-Originale schwingen stets mit, sind gegenwärtig.

Zwischenbilanz
"Nach den vielen Jahren war es jetzt mal Zeit zum Innehalten und Zwischenbilanz ziehen", erklärt Matthias Schmidt die Beweggründe für das soeben erschienene Buch "Hut ab!". Das Werk liefert einen schrägen und amüsanten Rückblick auf zehn Jahre "DoubleDylans". Es enthält eigene Erinnerungen ebenso wie Hommagen prominenter Zeitgenossen wie Wolfgang Niedecken, Danny Dziuk, Wiglaf Droste oder Günter Amendt. Wie es weiter geht mit den DoubleDylans? Dass es weitergehen wird, sind sich die drei Frankfurter einig. Das Wie wird allerdings noch ausgelotet. Wahrscheinlich werden sie aber genauso weitermachen wie bisher. Nur eben ganz anders.

Thomas Waldherr
Quelle: "Stadt Frankfurt am Main, Presse- und Informationsamt"

 

Rettich-Propaganda im Park

Noch bevor der Chronist des Musikgeschehens in Frankfurt in den Park geradelt kam, waren die Stoffel-Besucher schon im Rettich-Wahn. Nicht genug damit, dass die Devilish Double Dylans die bayrische Folklorekost in fast alle ihre Songs gepackt hatte, nein, sie verteilten auch noch Rettich ans Publikum – klein und scharf, „so wie er sein muss“ (O-Ton Michi Herl). Der Hintergrund der Rettich-Manie: Ein Rettichfieber hat die Doubledylans erfasst. Mit ihrer vierten Scheibe "Rettichretter" brechen sie sich eine Bohne ins Land der Wurzelgemüse. Hier schart sich illusteres Volk um einen Helden, den sie Rettichretter nennen. Er hat einen Erntehelfer, der eine Rübenrupfmaschiene baut und dadurch arbeitslos wird (Ring them Bells). Der Rettichretter rettet sofort (I want you) und wird verwickelt in die Geschichte mit Lilli und Rosmarie (and the Jack of Hearts). Bohnendeppen kommen und gehen (Subterranean Homesick Blues) und ganze Spargelcliquen heben in Heißluftballons ab (Maggies Farm). Der Rettichretter spricht auf dem Acker (In the Garden) wo Hase und Igel um die Wette laufen (All along the Watchtower). In der Ferne schält ein Erbsenzähler Schoten (I'll be Your Baby Tonight) und die Doubledylans zupfen die Rettichgitarren und singen dazu gewohnt schön und schräger als das Original. Wer sich fragt was das alles mit Bob Dylan zu tun hat, kann auf dem Album und bei den Shows nach Antworten suchen. "Leute esst Rettich bis die Tränen kommen." Jetzt wäre es interessant zu erfahren, was Dylonologen wie Dr. Peter Kemper vom Hessischen Rundfunk dazu sagen...

Journal-Portal 02.07.2007
Text: Detlef Kinsler

 

"Doubledylans": Scharf wie ein Rettich

Bob Dylan hat schon viel über sich ergehen lassen (müssen). Ungezählte Cover-Versionen und bemühte Übersetzungen gibt es von seinen Songs, und über viele von ihnen ist kräftig gelästert worden, weil angeblich nur Sir Bob selbst seine Werke genial zelebrieren kann.

In Frankfurt hat sich ein Trio zusammengefunden, dem das alles ziemlich egal ist. Die Doubledylansüben sich respektlos und doch zärtlich am Sangesgut des Picassos der Rockmusik, wie Leonard Cohen Dylan einmal nannte. Mit ihrer ersten Platte Ich und ein anderer bewiesen sie, dass sich Dylan auf Hessisch, ohne in Flachsinn abzugleiten, behaupten kann. Sie hatten dabei nicht sklavisch versucht, aus dem Englischen zu übersetzen, sondern sich den Tenor gegriffen und dann Atmosphäre und Inhalte der Texte in völlig neues Gewand gekleidet. Das war mitreißend und stellenweise richtig genial, voller Wortwitz und Anspielungen.
In ihrer zweiten CD sind sie nun sogar so frech und unbändig witzig, dass sie zwölf bekannte Stücke des Meisters allesamt durch eine Rettich-Mangel jagen. Kurzum: Jeder Song von Maggie’s Farm (mutiert zu Ich arbeite für den Rettich-Retter nicht mehr) bis I And I (Ich Rettich) erhält einen Bezug zu dieser scharfen Rübenart, und der Spaß, den sie bei dieser Ulkerei haben, überträgt sich nahtlos auf den Hörer, zumal sie musikalisch große Klasse sind. Der Verfremdungseffekt wirkt verblüffend, erheiternd und macht Laune. Und vor allem, der Running Gag funktioniert die ganze Scheibe über, wirkt nicht ermüdend oder lähmend. Im Gegenteil, so dass nicht nur Dylan-Fans ihren Spaß an der CD haben werden.

Von Hadayatullah Hübsch
Veröffentlicht in: Frankfurter Neue Presse

 

In Wurstland
Bob-Dylan-Abend mit Gerhard Henschel und den Doubledylans

Zuletzt setzt sich das Hessische immer durch, und so auch in der kongenialen Übersetzung eines Woody-Guthrie-Gassenhauers, in dem "This land is my land" zu "Dies Land ist Wurstland" wird. Dem amerikanischen Shakespeare on the road folgte bekanntlich auch ein gewisser Robert Zimmermann aus Minnesota, der ein anderes Vorbild, den walisischen Dichter Dylan Thomas in seinem Künstlernamen angeblich ohne Absicht popularisierte. Als Bob Dylan wurde er berühmt, wie demnächst ganz bestimmt die fabelhaften "Doubledylans", vormals "The Devilish Doubledylans", denen sich die eingangs zitierte Nachdichtung verdankt. Zu einer Anhörung der Frankfurter Formation fand sich nun eine Gelegenheit im Sachsenhäuser Clubkeller.

Das Ereignis war nicht nur zu verstehen als Hommage an das Idol der Doubledylans, es diente ferner zur Ausbildung eines weiter reichenden Verständnisses der Verhältnisse, in denen Dylan überlebensgroß wurde. Er selbst äußerte sich dazu in Chronicles, einem autobiografisch fortschreitenden Werk, dessen erster Band von Kathrin Passig und Gerhard Henschel ins Deutsche gebracht wurde. Im Clubkeller las Henschel sonor daraus vor. Er äußerte sich auch zu den Umständen der Übersetzung, die in zehn Monaten zustande kommen musste. Der Hoffmann & Campe-Verlag habe in dieser Zeit "wie mit einer Nilpferdpeitsche" hinter ihm und der Kollegin gestanden.

Dylans Erzählhaltung nannte Henschel "sprunghaft". Woody Guthries Einfluss auf seinen Nachfolger lässt sich kaum überschätzen: "Wenn ich Woody's Songs spielte, war ich gegen alles andere gefeit." Enorm war auch der Eindruck, den John "The Duke" Wayne bei dem Volksmusiker am Anfang seiner Karriere hinterließ. Der Schauspieler warf einen so gewaltigen Schatten, dass er das Kriegsschiff ganz verdunkelte, auf dem sich die Laufbahnen der Stars in einem historischen Augenblick trafen. Der mit aller Macht angestrebte Ruhm wurde Dylan bald zur Last. Vergeblich versuchte sich "das Sprachrohr einer Generation" seinen im semi-religiösen Wahn der Sechziger als Jünger auftrumpfenden Verehrer zu entziehen. Vereinnahmt wollte Dylan nur von seiner Familie werden. Er träumte vom Dasein hinter einem wie von Rilke mit Rosen geschmückten Lattenzaun. "Die radikalen Knalltüten (lauter Gruselgestalten) auf der Suche nach dem Prinzen des Protests" wussten das zu vereiteln. Das Glück im Winkel möchte von Genies sowieso nichts wissen.

Für den Spaß an der Sache waren im Clubkeller die Doubledylans zuständig. Ihr Sänger Robert Notzelsen ist erstaunlich gut darin, den nasal-nöligen Tonfall des Vorbilds zu treffen. Mit Uli van Klapdor und Jelly Pearl Smith spielte er zuletzt die im Titel auf Arthur Rimbauds "Ich, das ist ein anderer" anspielende Ich und ein anderer-Platte ein. Mit Scheiß Regen ist darauf eine Adaption von A hard rain's a gonna fall zu hören. Das Original entstand unter dem Eindruck der Kubakrise 1963, die einen Krieg mit Atomwaffen in Aussicht stellte. Dylans apokalyptisch-raunende Prophetie führte jene messianische Wirkung herbei, der Massen erlagen. Schließlich wähnten sie sich an einem Abgrund der Welt. Bei den Doubledylans kommt dieser Verkündungssound ironisch gebrochen an: "Ich stand vor einem Dutzend trauriger Meere." Auch so bringt sich die Geschichte in Erinnerung, die mit ihrem Verlauf alle zentralen Befürchtungen der Epoche des Kalten Kriegs, man möchte meinen, kichernd ins Leere laufen ließ. Zumindest vorläufig.

Autor: JAMAL TUSCHICK
veröffentlicht Februar 2005 in der Online Ausgabe der Frankfurter Rundschau
http://www.fr-aktuell.de/

 
Folker, 2004

Bob Dylan hat seine langerwartete (Teil-)Biografie (“Chronicles“) veröffentlicht, Hugues Aufray noch einmal 10 Dylan-Songs live auf Französisch rausgebracht – und die Frankfurter “DoubleDylans“ machen es uns auf gut Deutsch! Hervorragende 5erTeamArbeit, um dem großen Bob hier noch einmal mehr gerecht zu werden. Nach Niedeckens „Leoparde’fell“-Album (1995). Sprachlich eigenständige, bilderreiche Texte mit einer Dichte, wie sie in der deutschen Rockmusik am ehesten mal Sven Regener von EoC zustande gebracht hat.

Mit wechselnden lead vocals von J. P. Smith (genannt „Matze“) und anderen, die das sehr prägnant rüberbringen. Eine locker bis deftige Folk-Rock-Musik, die absolut groovt! Und uns die abstrusesten Szenarien à la Dylan und Rimbaud (Une saison en enfer/Ein Besuch in der Hölle) an+ausmalt. Robert und Matze machen sich das eine und das andere „Ich“ Bob Dylans zu eigen („Ich hab Schuhe besohlt für alle und geh immer noch barfuß“) und entwickeln daraus ihr Alter Ego („so weit weg von mir, wie ich kann“).

Diese Band versteht es, musikalisch/textlich eine magische Sogwirkung zu erzeugen, die diese Lyrics von „Johanna“, von Luise und ihrem Lover („so verzwei/n/samt“), wunderbar zu transportieren vermag. Eine (Wieder-)Entdeckung!

Walter Liederschmitt „Woltähr“
 
Gitarre & Bass, 2004

Bob-Dylan-Songs auf Deutsch singen, darf man das überhaupt? Natürlich, vor allem wenn man Dylan so interpretiert wie die fünf DoubleDylans aus Frankfurt. Denn hier geht man wirklich mit Humor und Liebe zum Original an die Sache ran, wenn man den Klassiker ,I Shall Be Released‘ frei mit ,Exmatrikuliert‘ übersetzt wird. Die Musik wird stilecht auf den Punkt gebracht, mit A- und E-Gitarren, Geige, Mandoline, Drums und Bass. Nur der Gesang ist eigentlich schon zu gut, so richtig nöhlig im Bob-Style wird’s eigentlich nie. Aber das kann ja auch wirklich nur einer auf diesem Planeten. Kurz: Hier ist eine originelle Band am Start mit einem guten Konzept. Und einer tollen neuen CD, die ,Ich und ein Anderer‘ heißt und über die Band-Website bezogen werden kann.
 
Good Times, 2004

Ganz entspannte Geniestreiche in Sachen Dylan
Die DoubleDylans spielen Dylan jetzt auch auf deutsch

Die „DoubleDylans“ formerly known als „The Devilish Doubledylans“ haben nun – nachdem sie seit 1999 Dylan schon beachtlich auf englisch gecovert haben – erstmals eine CD mit deutschen Übersetzungen von Bob Dylan-Klassikern vorgelegt.

Und siehe da: Sie ist wundervoll. Ohne Ehrfurcht wird da frisch ans Werk gegangen. Da paaren sich nicht verkrampfte Reime und schiefe Bilder mit musikalischen Deutsch-Rock-Klischees wie das beispielsweise bei Wolfgang Niedeckens Leopardefell-Projekt leider oft der Fall ist. Mit ihrer neuen CD „Ich und ein Anderer“ ist es der Frankfurter Band gelungen, ihre liebevoll-respektlose und unverkrampfte Herangehensweise an das Dylan’sche Oeuvre nun nach Arrangements und Bühnentätigkeit auch auf die Songtexte zu übertragen. Dabei verlagern sie die Dylan-Welt oftmals ans heimische Mainufer, stellen die Songs vor unseren Zeithintergrund und garnieren sie mit eigener Alltagswelt und Seelenlage. Das Ergebnis ist kongenial.

Denn spielerisch leicht und ganz entspannt klingt es, wenn die DoubleDylans „A Hard rain’s gonna fall“ zu „Scheiß Regen“, „Things have changed“ zu „Jetzt ist’s egal“ oder „Tangled up in blue“ zu „Trübsal immerzu“ machen. Und auch wenn Sie sich ganz weit vom Original weg wagen – I shall be released mutiert zu „Exmatrikuliert“ – klingt das nie peinlich oder bemüht. Die Frankfurter Musiker um Uli van Klapdor, Robert Noetzelsen und Jelly Pearl Smith können einfach Songs schreiben. Und so findet das Dylansche Universum von Greenwich Village, Hollywood und Malibu seine Entsprechung in Gallus, Mainufer und Marrakesch. Neben den schon genannten Highlights des Albums gehören noch Apfelbabybaum, DDD’s Dream und Wickel Wackel zu den Anspieltipps. Und mit „Das schönste am Sport sind die Drogen“ beweisen sie, dass sie auch jenseits des Dylan’schen Oeuvres sich gute Stücke ausdenken können. Die Platte ist ein Muss für jeden Dylan-Freund und hilft uns allen, die Zeit des Wartens auf den nächsten Tonträger und das nächste Konzert des Meisters zu vertreiben.

Thomas Waldherr
 
Mannheimer Morgen, 24.11.03

Das Werkhaus ist heute das Laboratorium für Gegenwartsdramatik und ungewohnte Theaterformen. Wenn eine Frankfurter Band, wie die Devilish Doubledylans, ihre schrägen, teils selbst geschriebenen Texte vertont und außerhalb etablierter Kleinkunstbühnen zum Besten geben will - in der Lounge des Werkhauses ist es möglich. Allerdings muss man damit rechnen, dass nach dem bandeigenen Repertoire der Abend noch zu einer Jam-Session mit Publikumsbeteiligung verlängert wird.
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Frankfurter Rundschau, 8.11.03

1) Vorspiel. Frankfurter Konzerte Bob Dylans beginnen seit ein paar Jahren damit, dass direkt vorm Eingang der Jahrhunderthalle vier Herren mittleren Alters ein Dylan-Imitat aufführen, das so ergeben wie würdig für des Folgende präpariert. Eingeweihte wissen, dass die Band auf den Namen The DevilishDoubledylans hört, die für Selbstgepresstes Werbung macht und auf Konzerttermine hinweist. Im Rahmen der Dylan-Liturgie soll das aber wohl auch heißen, dass man der rituellen Ordnung getrost weitere sakrale Elemente hinzufügen kann. (...)

Harry Nutt
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Gitarre&Bass, September 2002

The Devilish Doubledylans „It´s hard to trust the Lord“

Die Musik und die Stimmung von Bob Dylan haben die vier Frankfurter Musiker wirklich verinnerlicht. Und auf ihrer zweiten CD wurden diese Einflüsse hervorragend umgesetzt. Neben zwei Songs des Meisters und einer John-Hiatt-Nummer spiegeln auch die eigenen Songs zwischen Folk & Bluesigem die traurig-melancholische und raue Atmosphäre vieler Dylan-Songs wieder. Beeindruckend sind die spröden und sparsamen Beiträge von Gitarre/Bass/Drums/Orgel/ Fidel/Harp und – vielleicht sogar variantenreicher als das Original – die Gesangsbeiträge. Hier stimmen Konzept & Resultat. Eine hervorragende Band.

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Bild

Den ersten Dylan gab es bereits vor der Halle.
 
 
Berliner Zeitung

Die herrlichen Devilish Doubledylans...
 
 
Frankfurter Rundschau

CD der Woche. Ruhmresistent.

… The Devilish Doubledylans nennen Uli van Klapdor, Robert Nøtzelsen und Jelly Pearl Smith ihr fein ironisches Projekt, das sie im neu eröffneten Blues & Beyond vorstellten: einen Marathon durchs Bob Dylan-Œuvre, auf den in keiner Weise zutrifft, was den meisten Dylan-Interpretationen nachgesagt werden kann: langweilig, verschnarcht oder gar anstrengend zu sein…

Es war allerdings schon immer so, dass die beste Darbietung von Dylan-Songs nicht vom Komponisten kam. Die Devilish Doubledylans haben den Mut zur Überdosis: Sie spielen vorwiegend weniger bekannte Dylan-Songs mit der Verve furchtlos bekennender Fans, aber mit Witz und Finesse. Auch ohne Schlagzeug entwickelt dieses Trio gehörigen Groove, die dreistimmigen Gesangsleistungen sind prima, und die Gitarrenarbeit am ”Monster-Folk” genannten Œuvre macht Spaß. Weit fehlt, wer es für Comedy hält: die drei Teuflischen lieben die gute Musik, die sich so häufig in Dylans Kompositionen versteckt. Sie sind ganz wunderbare Verräter.
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Wetterauer Zeitung, Mai 2001

Doppelter Dylan mit Bass : »The Devilish DoubleDylans« bringen dem Meister ein teuflisch gutes Geburtstagsständchen

Merkwürdig. Da zupft der Bassist ein launiges A an, zwei-, dreimal, in einem schleppenden Rhythmus, und noch bevor die Mundharmonika aufheult und der Gitarrist ein paar spärliche Akkorde beisteuert, blitzen im Publikum vorausahnend die Augen auf. All along the watchtower. Der Dylan-Sound. Da ist er. Intensiv, kraftvoll und mit dieser typischen Sogwirkung. Als ob der Meister persönlich auf der Bühne steht. Tut er freilich nicht. Dafür sind »The Devilish DoubleDylans« nach Bad Nauheim in den Überflieger gekommen. »Monsters of Folk Rock« nennen die drei Musiker aus Frankfurt ironisch ihr Programm, das, wie sollte es anders sein, zum größten Teil aus Dylan-Songs besteht.

Wohl gemerkt, die teuflischen Doppel-Dylans sind ein Trio. Zwei Dylan-Verrückte und ein Vollblutmusiker, wie sie selbst schmunzelnd sagen. Gitarrist Robert Nøtzelsen und Bassist Uli van Klapdor spielen schon seit einigen Jahren zusammen, in verschiedenen Bands und was man da eben so spielt. Nøtzelsen spielt am liebsten Dylan. Vor zwei Jahren sang er in einem Frankfurter Club während einer Session den eher unbekannten Dylan-Song »One too many mornings«. Plötzlich hörte er, wie hinter ihm einer die zweite Stimme sang. Das war Jelly Pearl Smiths, und seither gibt's die »Devilish DoubleDylans«.

Im Überflieger spielen sie einen Querschnitt aus dem gesamten Werk des ewigen Literaturnobelpreiskandidaten, der von manchen Fans wie ein Gott verehrt wird und am Donnerstag (an Christi Himmelfahrt!) seinen 60. Geburtstag feiert. Das Publikum hört den gerade mit dem Oscar ausgezeichneten Song »Things have changed«, die »Ballad of a thin man« aus den 60er-Jahren, ein zauberhaft interpretiertes »Shot of love« von 1981, alte Blues-Nummern, Country, Rock'n'Roll, Hillbilly, Gospel, Folk. Dazu ein paar eigene Nummern sowie Songs von den Greatefull Dead oder den »Dr. Robert« von John Lennon, ein Stück aus jenen Zeiten, als Dylan die Beatles noch mit ganz besonderen »Medikamenten« versorgte. Das klingt von Anfang bis Schluss umwerfend gut, Musik zum Drin-Ersaufen, gespielt von Musikern, die mit dem Refrain von »Rainy Day Women 12 & 35« einschlafen und mit »Like a rolling stone« aufwachen.

Nøtzelsen steht genauso hüftsteifbreitbeinig und mit geschminkten Augen hinter dem Mikro wie Dylan, seine Stimme klingt fast ebenso düster und nölig, er jault wie ein angeschossener Kojote und pflegt die bluenotes ebenso ausgiebig wie sein Herr und Meister. Sein fast zwei Köpfe kleinerer Kompagnon Smith entlockt seiner Akustikgitarre derweil kleine sprudelnde Klangfeuerwerke voller Wehmut und stillem Stolz darauf, dass ein hölzerner Kasten mit darübergezogenen Drahtseilen so schön klingen kann, während der Hüne van Klapdor mit dem riesigen Standbass eins wird oder herzerweichende Töne aus der Mandoline hervorzaubert. Zusammen klingt das stellenweise so rauh und ungelenk wie auf einer Session, ein anderes Mal mitreißend schön, immer aber magisch und düster. »Something is happening here, but you don‚t know what it is.«

Das Publikum im Überflieger lauscht dem furiosen Auftritt der drei Dylan-Jünger mit offenem Mund. Begeisterungsstürme gibt es allenfalls am Schluss, die Fans nippen Rotwein, lehnen sich zurück und genießen. Grau ist an diesem Abend die bevorzugte Haarfarbe. Vor Konzertbeginn erzählt so mancher nicht mehr ganz junge Zuhörer von seinen Konzerterlebnissen bei Ry Cooder, der auch bestimmt schon 60 ist, bei Carol King oder den Eagles. Am Tisch nebenan blättert ein Zuhörer in einem ein paar Monate alten »Rolling Stone«, »Those were the days« lautet eine Überschrift in dem Magazin, eine andere »All things must pass«. Ein Titel, der auch von Dylan stammen könnte, den aber George Harrison geschrieben hat, und der wird auch bald 60.

Aber das Alter – oder besser: die Jugend – gilt in der Rockmusik schon lange nicht mehr als allein gültige Eintrittskarte. »Ah, but I was so much older then. I‚m younger than that now«, sang Dylan in »My back pages«. Das war, als ich noch älter war. Ich bin jünger geworden seither. 1964 hat er das gedichtet, und Dylan war ein Rotzlöffel von 23 Jahren. Ein altersweiser Jugendlicher, dessen Songs ewig jung bleiben, insbesondere dann, wenn sie so glaubhaft und lebendig dargebracht werden wie von den »Devilish DoubleDylans«. Wer das verpasst hat, sollte sich den 11. Oktober vormerken. Dann sind die Jungs noch einmal im Überflieger zu hören, zusammen mit Gerhard Henschel und Wiglaf Droste und dem Spardosen Terzett. Man darf sich darauf freuen.

Jürgen Wagner


Draußen in der Ferne hörte man den Schrei des Kojoten: Die »Devilish DoubleDylans« spielten und feierten im Überflieger den größten Rockmusiker aller Zeiten. Foto: Wagner
 
Wetterauer Zeitung, 2002

Seit einigen Wochen sind die doppelten Dylans zu viert. Der Schlagzeuger Inga Lüth sorgt mit Jazzbesen an der Standtrommel für eine gewohnt unprätentiös vorgetragene Steigerung der musikalischen Ausdrucksfähigkeit der Devilish Doubledylans. Noch etwas ist neu: Jelly Pearl Smith hat die E-Gitarre entdeckt. Und was für eine E-Gitarre!
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