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They're
planting stories in the press
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Rettich-Propaganda im Park
Noch bevor der Chronist des Musikgeschehens in Frankfurt in den Park geradelt kam, waren die Stoffel-Besucher schon im Rettich-Wahn. Nicht genug damit, dass die Devilish Double Dylans die bayrische Folklorekost in fast alle ihre Songs gepackt hatte, nein, sie verteilten auch noch Rettich ans Publikum – klein und scharf, „so wie er sein muss“ (O-Ton Michi Herl). Der Hintergrund der Rettich-Manie: Ein Rettichfieber hat die Doubledylans erfasst. Mit ihrer vierten Scheibe "Rettichretter" brechen sie sich eine Bohne ins Land der Wurzelgemüse. Hier schart sich illusteres Volk um einen Helden, den sie Rettichretter nennen. Er hat einen Erntehelfer, der eine Rübenrupfmaschiene baut und dadurch arbeitslos wird (Ring them Bells). Der Rettichretter rettet sofort (I want you) und wird verwickelt in die Geschichte mit Lilli und Rosmarie (and the Jack of Hearts). Bohnendeppen kommen und gehen (Subterranean Homesick Blues) und ganze Spargelcliquen heben in Heißluftballons ab (Maggies Farm). Der Rettichretter spricht auf dem Acker (In the Garden) wo Hase und Igel um die Wette laufen (All along the Watchtower). In der Ferne schält ein Erbsenzähler Schoten (I'll be Your Baby Tonight) und die Doubledylans zupfen die Rettichgitarren und singen dazu gewohnt schön und schräger als das Original. Wer sich fragt was das alles mit Bob Dylan zu tun hat, kann auf dem Album und bei den Shows nach Antworten suchen. "Leute esst Rettich bis die Tränen kommen." Jetzt wäre es interessant zu erfahren, was Dylonologen wie Dr. Peter Kemper vom Hessischen Rundfunk dazu sagen...
Journal-Portal 02.07.2007
Text: Detlef Kinsler
"Doubledylans": Scharf wie ein Rettich
Bob Dylan hat schon viel über sich ergehen lassen (müssen). Ungezählte Cover-Versionen und bemühte Übersetzungen gibt es von seinen Songs, und über viele von ihnen ist kräftig gelästert worden, weil angeblich nur Sir Bob selbst seine Werke genial zelebrieren kann.
In Frankfurt hat sich ein Trio zusammengefunden, dem das alles ziemlich egal ist. Die Doubledylansüben sich respektlos und doch zärtlich am Sangesgut des Picassos der Rockmusik, wie Leonard Cohen Dylan einmal nannte. Mit ihrer ersten Platte Ich und ein anderer bewiesen sie, dass sich Dylan auf Hessisch, ohne in Flachsinn abzugleiten, behaupten kann. Sie hatten dabei nicht sklavisch versucht, aus dem Englischen zu übersetzen, sondern sich den Tenor gegriffen und dann Atmosphäre und Inhalte der Texte in völlig neues Gewand gekleidet. Das war mitreißend und stellenweise richtig genial, voller Wortwitz und Anspielungen.
In ihrer zweiten CD sind sie nun sogar so frech und unbändig witzig, dass sie zwölf bekannte Stücke des Meisters allesamt durch eine Rettich-Mangel jagen. Kurzum: Jeder Song von Maggie’s Farm (mutiert zu Ich arbeite für den Rettich-Retter nicht mehr) bis I And I (Ich Rettich) erhält einen Bezug zu dieser scharfen Rübenart, und der Spaß, den sie bei dieser Ulkerei haben, überträgt sich nahtlos auf den Hörer, zumal sie musikalisch große Klasse sind. Der Verfremdungseffekt wirkt verblüffend, erheiternd und macht Laune. Und vor allem, der Running Gag funktioniert die ganze Scheibe über, wirkt nicht ermüdend oder lähmend. Im Gegenteil, so dass nicht nur Dylan-Fans ihren Spaß an der CD haben werden.
Von Hadayatullah Hübsch
Veröffentlicht in: Frankfurter Neue Presse
In
Wurstland
Bob-Dylan-Abend mit Gerhard Henschel und den Doubledylans
Zuletzt setzt sich das Hessische
immer durch, und so auch in der kongenialen Übersetzung
eines Woody-Guthrie-Gassenhauers, in dem "This
land is my land" zu "Dies Land ist Wurstland" wird.
Dem amerikanischen Shakespeare on the road folgte
bekanntlich auch ein gewisser Robert Zimmermann
aus Minnesota, der ein anderes Vorbild, den walisischen
Dichter Dylan Thomas in seinem Künstlernamen
angeblich ohne Absicht popularisierte. Als Bob
Dylan wurde er berühmt, wie demnächst
ganz bestimmt die fabelhaften "Doubledylans",
vormals "The Devilish Doubledylans",
denen sich die eingangs zitierte Nachdichtung verdankt.
Zu einer Anhörung der Frankfurter Formation
fand sich nun eine Gelegenheit im Sachsenhäuser
Clubkeller.
Das Ereignis war nicht nur zu verstehen als Hommage
an das Idol der Doubledylans, es diente ferner
zur Ausbildung eines weiter reichenden Verständnisses
der Verhältnisse, in denen Dylan überlebensgroß wurde.
Er selbst äußerte sich dazu in Chronicles,
einem autobiografisch fortschreitenden Werk, dessen
erster Band von Kathrin Passig und Gerhard Henschel
ins Deutsche gebracht wurde. Im Clubkeller las
Henschel sonor daraus vor. Er äußerte
sich auch zu den Umständen der Übersetzung,
die in zehn Monaten zustande kommen musste. Der
Hoffmann & Campe-Verlag habe in dieser Zeit "wie
mit einer Nilpferdpeitsche" hinter ihm und
der Kollegin gestanden.
Dylans Erzählhaltung nannte Henschel "sprunghaft".
Woody Guthries Einfluss auf seinen Nachfolger lässt
sich kaum überschätzen: "Wenn ich
Woody's Songs spielte, war ich gegen alles andere
gefeit." Enorm war auch der Eindruck, den
John "The Duke" Wayne bei dem Volksmusiker
am Anfang seiner Karriere hinterließ. Der
Schauspieler warf einen so gewaltigen Schatten,
dass er das Kriegsschiff ganz verdunkelte, auf
dem sich die Laufbahnen der Stars in einem historischen
Augenblick trafen. Der mit aller Macht angestrebte
Ruhm wurde Dylan bald zur Last. Vergeblich versuchte
sich "das Sprachrohr einer Generation" seinen
im semi-religiösen Wahn der Sechziger als
Jünger auftrumpfenden Verehrer zu entziehen.
Vereinnahmt wollte Dylan nur von seiner Familie
werden. Er träumte vom Dasein hinter einem
wie von Rilke mit Rosen geschmückten Lattenzaun. "Die
radikalen Knalltüten (lauter Gruselgestalten)
auf der Suche nach dem Prinzen des Protests" wussten
das zu vereiteln. Das Glück im Winkel möchte
von Genies sowieso nichts wissen.
Für den Spaß an der Sache waren im Clubkeller
die Doubledylans zuständig. Ihr Sänger
Robert Notzelsen ist erstaunlich gut darin, den
nasal-nöligen Tonfall des Vorbilds zu treffen.
Mit Uli van Klapdor und Jelly Pearl Smith spielte
er zuletzt die im Titel auf Arthur Rimbauds "Ich,
das ist ein anderer" anspielende Ich und ein
anderer-Platte ein. Mit Scheiß Regen ist
darauf eine Adaption von A hard rain's a gonna
fall zu hören. Das Original entstand unter
dem Eindruck der Kubakrise 1963, die einen Krieg
mit Atomwaffen in Aussicht stellte. Dylans apokalyptisch-raunende
Prophetie führte jene messianische Wirkung
herbei, der Massen erlagen. Schließlich wähnten
sie sich an einem Abgrund der Welt. Bei den Doubledylans
kommt dieser Verkündungssound ironisch gebrochen
an: "Ich stand vor einem Dutzend trauriger
Meere." Auch so bringt sich die Geschichte
in Erinnerung, die mit ihrem Verlauf alle zentralen
Befürchtungen der Epoche des Kalten Kriegs,
man möchte meinen, kichernd ins Leere laufen
ließ. Zumindest vorläufig.
Autor: JAMAL TUSCHICK
veröffentlicht Februar 2005 in der Online
Ausgabe der Frankfurter Rundschau
http://www.fr-aktuell.de/ |
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Folker,
2004
Bob Dylan hat seine langerwartete (Teil-)Biografie (“Chronicles“)
veröffentlicht, Hugues Aufray noch einmal 10 Dylan-Songs live auf Französisch
rausgebracht – und die Frankfurter “DoubleDylans“ machen es
uns auf gut Deutsch! Hervorragende 5erTeamArbeit, um dem großen Bob hier
noch einmal mehr gerecht zu werden. Nach Niedeckens „Leoparde’fell“-Album
(1995). Sprachlich eigenständige, bilderreiche Texte mit einer Dichte, wie
sie in der deutschen Rockmusik am ehesten mal Sven Regener von EoC zustande gebracht
hat.
Mit wechselnden lead vocals von J. P. Smith (genannt „Matze“)
und anderen, die das sehr prägnant rüberbringen. Eine locker bis deftige
Folk-Rock-Musik, die absolut groovt! Und uns die abstrusesten Szenarien à la
Dylan und Rimbaud (Une saison en enfer/Ein Besuch in der Hölle) an+ausmalt.
Robert und Matze machen sich das eine und das andere „Ich“ Bob Dylans
zu eigen („Ich hab Schuhe besohlt für alle und geh immer noch barfuß“)
und entwickeln daraus ihr Alter Ego („so weit weg von mir, wie ich kann“).
Diese Band versteht es, musikalisch/textlich eine magische Sogwirkung zu erzeugen,
die diese Lyrics von „Johanna“, von Luise und ihrem Lover („so
verzwei/n/samt“), wunderbar zu transportieren vermag. Eine (Wieder-)Entdeckung!
Walter Liederschmitt „Woltähr“ |
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Gitarre & Bass,
2004
Bob-Dylan-Songs auf Deutsch singen, darf man das überhaupt? Natürlich,
vor allem wenn man Dylan so interpretiert wie die fünf DoubleDylans aus
Frankfurt. Denn hier geht man wirklich mit Humor und Liebe zum Original an die
Sache ran, wenn man den Klassiker ,I Shall Be Released‘ frei mit ,Exmatrikuliert‘ übersetzt
wird. Die Musik wird stilecht auf den Punkt gebracht, mit A- und E-Gitarren,
Geige, Mandoline, Drums und Bass. Nur der Gesang ist eigentlich schon zu gut,
so richtig nöhlig im Bob-Style wird’s eigentlich nie. Aber das kann
ja auch wirklich nur einer auf diesem Planeten. Kurz: Hier ist eine originelle
Band am Start mit einem guten Konzept. Und einer tollen neuen CD, die ,Ich und
ein Anderer‘ heißt und über die Band-Website bezogen werden
kann. |
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Good
Times, 2004
Ganz entspannte Geniestreiche in Sachen Dylan
Die DoubleDylans spielen Dylan jetzt auch auf deutsch
Die „DoubleDylans“ formerly known als „The Devilish Doubledylans“ haben
nun – nachdem sie seit 1999 Dylan schon beachtlich auf englisch gecovert haben – erstmals
eine CD mit deutschen Übersetzungen von Bob Dylan-Klassikern vorgelegt.
Und siehe da: Sie ist wundervoll. Ohne Ehrfurcht wird da frisch ans Werk gegangen.
Da paaren sich nicht verkrampfte Reime und schiefe Bilder mit musikalischen Deutsch-Rock-Klischees
wie das beispielsweise bei Wolfgang Niedeckens Leopardefell-Projekt leider oft
der Fall ist. Mit ihrer neuen CD „Ich und ein Anderer“ ist es der
Frankfurter Band gelungen, ihre liebevoll-respektlose und unverkrampfte Herangehensweise
an das Dylan’sche Oeuvre nun nach Arrangements und Bühnentätigkeit
auch auf die Songtexte zu übertragen. Dabei verlagern sie die Dylan-Welt
oftmals ans heimische Mainufer, stellen die Songs vor unseren Zeithintergrund
und garnieren sie mit eigener Alltagswelt und Seelenlage. Das Ergebnis ist kongenial.
Denn spielerisch leicht und ganz entspannt klingt es, wenn die DoubleDylans „A
Hard rain’s gonna fall“ zu „Scheiß Regen“, „Things
have changed“ zu „Jetzt ist’s egal“ oder „Tangled
up in blue“ zu „Trübsal immerzu“ machen. Und auch wenn
Sie sich ganz weit vom Original weg wagen – I shall be released mutiert
zu „Exmatrikuliert“ – klingt das nie peinlich oder bemüht.
Die Frankfurter Musiker um Uli van Klapdor, Robert Noetzelsen und Jelly Pearl
Smith können einfach Songs schreiben. Und so findet das Dylansche Universum
von Greenwich Village, Hollywood und Malibu seine Entsprechung in Gallus, Mainufer
und Marrakesch. Neben den schon genannten Highlights des Albums gehören
noch Apfelbabybaum, DDD’s Dream und Wickel Wackel zu den Anspieltipps.
Und mit „Das schönste am Sport sind die Drogen“ beweisen sie,
dass sie auch jenseits des Dylan’schen Oeuvres sich gute Stücke ausdenken
können. Die Platte ist ein Muss für jeden Dylan-Freund und hilft uns
allen, die Zeit des Wartens auf den nächsten Tonträger und das nächste
Konzert des Meisters zu vertreiben.
Thomas Waldherr
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Mannheimer
Morgen, 24.11.03
Das Werkhaus ist heute das Laboratorium für Gegenwartsdramatik und ungewohnte
Theaterformen. Wenn eine Frankfurter Band, wie die Devilish Doubledylans, ihre
schrägen, teils selbst geschriebenen Texte vertont und außerhalb etablierter
Kleinkunstbühnen zum Besten geben will - in der Lounge des Werkhauses ist
es möglich. Allerdings muss man damit rechnen, dass nach dem bandeigenen
Repertoire der Abend noch zu einer Jam-Session mit Publikumsbeteiligung verlängert
wird.
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Frankfurter
Rundschau, 8.11.03
1) Vorspiel. Frankfurter Konzerte Bob Dylans beginnen seit ein paar Jahren damit,
dass direkt vorm Eingang der Jahrhunderthalle vier Herren mittleren Alters ein
Dylan-Imitat aufführen, das so ergeben wie würdig für des Folgende
präpariert. Eingeweihte wissen, dass die Band auf den Namen The DevilishDoubledylans
hört, die für Selbstgepresstes Werbung macht und auf Konzerttermine
hinweist. Im Rahmen der Dylan-Liturgie soll das aber wohl auch heißen,
dass man der rituellen Ordnung getrost weitere sakrale Elemente hinzufügen
kann. (...)
Harry Nutt
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Gitarre&Bass,
September 2002
The Devilish Doubledylans It´s hard
to trust the Lord
Die Musik und die Stimmung von Bob Dylan haben die
vier Frankfurter Musiker wirklich verinnerlicht.
Und auf ihrer zweiten CD wurden diese Einflüsse
hervorragend umgesetzt. Neben zwei Songs des Meisters
und einer John-Hiatt-Nummer spiegeln auch die eigenen
Songs zwischen Folk & Bluesigem die traurig-melancholische
und raue Atmosphäre vieler Dylan-Songs wieder.
Beeindruckend sind die spröden und sparsamen
Beiträge von Gitarre/Bass/Drums/Orgel/ Fidel/Harp
und vielleicht sogar variantenreicher als
das Original die Gesangsbeiträge. Hier
stimmen Konzept & Resultat. Eine hervorragende
Band.
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Bild
Den ersten Dylan gab es bereits vor der Halle. |
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Berliner
Zeitung
Die herrlichen Devilish Doubledylans... |
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Frankfurter
Rundschau
CD der Woche. Ruhmresistent.
The Devilish Doubledylans nennen Uli
van Klapdor, Robert Nøtzelsen und Jelly Pearl
Smith ihr fein ironisches Projekt, das sie im neu
eröffneten Blues & Beyond vorstellten:
einen Marathon durchs Bob Dylan-uvre, auf
den in keiner Weise zutrifft, was den meisten Dylan-Interpretationen
nachgesagt werden kann: langweilig, verschnarcht
oder gar anstrengend zu sein
Es war allerdings schon immer so, dass die beste
Darbietung von Dylan-Songs nicht vom Komponisten
kam. Die Devilish Doubledylans haben den Mut zur
Überdosis: Sie spielen vorwiegend weniger bekannte
Dylan-Songs mit der Verve furchtlos bekennender
Fans, aber mit Witz und Finesse. Auch ohne Schlagzeug
entwickelt dieses Trio gehörigen Groove, die
dreistimmigen Gesangsleistungen sind prima, und
die Gitarrenarbeit am Monster-Folk genannten
uvre macht Spaß. Weit fehlt, wer es
für Comedy hält: die drei Teuflischen
lieben die gute Musik, die sich so häufig in
Dylans Kompositionen versteckt. Sie sind ganz wunderbare
Verräter.
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Wetterauer
Zeitung, Mai 2001
Doppelter Dylan mit Bass : »The Devilish
DoubleDylans« bringen dem Meister ein teuflisch
gutes Geburtstagsständchen
Merkwürdig. Da zupft der Bassist ein launiges
A an, zwei-, dreimal, in einem schleppenden Rhythmus,
und noch bevor die Mundharmonika aufheult und der
Gitarrist ein paar spärliche Akkorde beisteuert,
blitzen im Publikum vorausahnend die Augen auf.
All along the watchtower. Der Dylan-Sound. Da ist
er. Intensiv, kraftvoll und mit dieser typischen
Sogwirkung. Als ob der Meister persönlich auf
der Bühne steht. Tut er freilich nicht. Dafür
sind »The Devilish DoubleDylans« nach
Bad Nauheim in den Überflieger gekommen. »Monsters
of Folk Rock« nennen die drei Musiker aus
Frankfurt ironisch ihr Programm, das, wie sollte
es anders sein, zum größten Teil aus
Dylan-Songs besteht.
Wohl gemerkt, die teuflischen Doppel-Dylans sind
ein Trio. Zwei Dylan-Verrückte und ein Vollblutmusiker,
wie sie selbst schmunzelnd sagen. Gitarrist Robert
Nøtzelsen und Bassist Uli van Klapdor spielen
schon seit einigen Jahren zusammen, in verschiedenen
Bands und was man da eben so spielt. Nøtzelsen
spielt am liebsten Dylan. Vor zwei Jahren sang er
in einem Frankfurter Club während einer Session
den eher unbekannten Dylan-Song »One too many
mornings«. Plötzlich hörte er, wie
hinter ihm einer die zweite Stimme sang. Das war
Jelly Pearl Smiths, und seither gibt's die »Devilish
DoubleDylans«.
Im Überflieger spielen sie einen Querschnitt
aus dem gesamten Werk des ewigen Literaturnobelpreiskandidaten,
der von manchen Fans wie ein Gott verehrt wird und
am Donnerstag (an Christi Himmelfahrt!) seinen 60.
Geburtstag feiert. Das Publikum hört den gerade
mit dem Oscar ausgezeichneten Song »Things
have changed«, die »Ballad of a thin
man« aus den 60er-Jahren, ein zauberhaft interpretiertes
»Shot of love« von 1981, alte Blues-Nummern,
Country, Rock'n'Roll, Hillbilly, Gospel, Folk. Dazu
ein paar eigene Nummern sowie Songs von den Greatefull
Dead oder den »Dr. Robert« von John
Lennon, ein Stück aus jenen Zeiten, als Dylan
die Beatles noch mit ganz besonderen »Medikamenten«
versorgte. Das klingt von Anfang bis Schluss umwerfend
gut, Musik zum Drin-Ersaufen, gespielt von Musikern,
die mit dem Refrain von »Rainy Day Women 12
& 35« einschlafen und mit »Like
a rolling stone« aufwachen.
Nøtzelsen steht genauso hüftsteifbreitbeinig
und mit geschminkten Augen hinter dem Mikro wie
Dylan, seine Stimme klingt fast ebenso düster
und nölig, er jault wie ein angeschossener
Kojote und pflegt die bluenotes ebenso ausgiebig
wie sein Herr und Meister. Sein fast zwei Köpfe
kleinerer Kompagnon Smith entlockt seiner Akustikgitarre
derweil kleine sprudelnde Klangfeuerwerke voller
Wehmut und stillem Stolz darauf, dass ein hölzerner
Kasten mit darübergezogenen Drahtseilen so
schön klingen kann, während der Hüne
van Klapdor mit dem riesigen Standbass eins wird
oder herzerweichende Töne aus der Mandoline
hervorzaubert. Zusammen klingt das stellenweise
so rauh und ungelenk wie auf einer Session, ein
anderes Mal mitreißend schön, immer aber
magisch und düster. »Something is happening
here, but you dont know what it is.«
Das Publikum im Überflieger lauscht dem furiosen
Auftritt der drei Dylan-Jünger mit offenem
Mund. Begeisterungsstürme gibt es allenfalls
am Schluss, die Fans nippen Rotwein, lehnen sich
zurück und genießen. Grau ist an diesem
Abend die bevorzugte Haarfarbe. Vor Konzertbeginn
erzählt so mancher nicht mehr ganz junge Zuhörer
von seinen Konzerterlebnissen bei Ry Cooder, der
auch bestimmt schon 60 ist, bei Carol King oder
den Eagles. Am Tisch nebenan blättert ein Zuhörer
in einem ein paar Monate alten »Rolling Stone«,
»Those were the days« lautet eine Überschrift
in dem Magazin, eine andere »All things must
pass«. Ein Titel, der auch von Dylan stammen
könnte, den aber George Harrison geschrieben
hat, und der wird auch bald 60.
Aber das Alter oder besser: die Jugend
gilt in der Rockmusik schon lange nicht mehr als
allein gültige Eintrittskarte. »Ah, but
I was so much older then. Im younger than
that now«, sang Dylan in »My back pages«.
Das war, als ich noch älter war. Ich bin jünger
geworden seither. 1964 hat er das gedichtet, und
Dylan war ein Rotzlöffel von 23 Jahren. Ein
altersweiser Jugendlicher, dessen Songs ewig jung
bleiben, insbesondere dann, wenn sie so glaubhaft
und lebendig dargebracht werden wie von den »Devilish
DoubleDylans«. Wer das verpasst hat, sollte
sich den 11. Oktober vormerken. Dann sind die Jungs
noch einmal im Überflieger zu hören, zusammen
mit Gerhard Henschel und Wiglaf Droste und dem Spardosen
Terzett. Man darf sich darauf freuen.
Jürgen Wagner |
Draußen in der Ferne hörte man den
Schrei des Kojoten: Die »Devilish DoubleDylans«
spielten und feierten im Überflieger den
größten Rockmusiker aller Zeiten. Foto:
Wagner
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Wetterauer
Zeitung, 2002
Seit einigen Wochen sind die doppelten Dylans zu viert. Der Schlagzeuger Inga
Lüth sorgt mit Jazzbesen an der Standtrommel für eine gewohnt unprätentiös
vorgetragene Steigerung der musikalischen Ausdrucksfähigkeit der Devilish
Doubledylans. Noch etwas ist neu: Jelly Pearl Smith hat die E-Gitarre entdeckt.
Und was für eine E-Gitarre!
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